Kläranlage mit Klärschlamm-Behandlungsanlagen aus der Vogelperspektive Foto von Marcin Jozwiak auf Unsplash

Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm: Pflichten, Verfahren und Folgen

03. November 2026

Im Klärschlamm steckt Phosphor, ein Rohstoff, den Deutschland sonst vollständig importiert. Ab 2029 greift deshalb eine gesetzliche Pflicht, diesen Phosphor zurückzugewinnen, statt den Schlamm auf Feldern auszubringen. Was davon kommt bei Grundstückseigentümern und Kommunen an?

Phosphor im Abwasser: Herkunft und Knappheit

Vom Haushalt in die Kläranlage

Phosphor steckt in Lebensmitteln und damit in menschlichen Ausscheidungen, außerdem in manchen Reinigungsmitteln und in gewerblichem Abwasser. Über die Hausanschlüsse gelangt er in die Kanalisation und von dort in die Kläranlage. Dort wird er gezielt aus dem Wasser geholt, biologisch oder chemisch über Fällmittel, weil zu viel Phosphor in Flüssen und Seen zu übermäßigem Algenwachstum führt. Am Ende dieser Reinigungsstufe befindet sich der Phosphor dann entsprechend im Klärschlamm.

Abhängigkeit von importiertem Phosphatgestein

Phosphor ist für Pflanzenwachstum unverzichtbar und durch nichts zu ersetzen. Mineraldünger dafür stammt aus Phosphatgestein, das in Deutschland nicht abgebaut wird. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass rückgewonnener Phosphor zur Düngemittelproduktion eingesetzt werden kann und damit weniger Phosphor aus dem Abbau und der energieintensiven Weiterverarbeitung von Phosphatgestein nötig wird. Der zweite Grund für den Kurswechsel ist die Schadstofffracht: Klärschlamm transportiert neben Nährstoffen auch Rückstände, die auf Äckern nichts verloren haben.

Was die Klärschlammverordnung ab 2029 vorschreibt

Fristen nach Größe der Kläranlage

Die Klärschlammverordnung (AbfKlärV) wurde 2017 neu gefasst. Seitdem steht fest, dass ab dem 1. Januar 2029 Phosphor aus Klärschlamm zurückgewonnen werden muss, sobald der Schlamm 20 Gramm Phosphor oder mehr je Kilogramm Trockenmasse enthält. Das entspricht zwei Massenprozent, einem Wert, den viele kommunale Klärschlämme überschreiten. Für Bayern beziffert der Landesverband der DWA auf Basis einer Abfrage des Landesamts für Umwelt den Anteil der betroffenen Menge auf über 90 Prozent.

Parallel dazu endet die Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen. Für Anlagen mit einer Ausbaugröße über 100.000 Einwohnerwerten gilt das Verbot der bodenbezogenen Verwertung ab 2029, für Anlagen über 50.000 Einwohnerwerten ab 2032, und zwar unabhängig von der Qualität des Schlamms. Kleinere Kläranlagen dürfen weiterhin eingeschränkt bodenbezogen verwerten, sofern die Vorgaben der Klärschlammverordnung und der Düngemittelverordnung eingehalten werden. Die Betreiber der betroffenen Anlagen mussten bereits Ende 2023 anzeigen, wie sie die Rückgewinnung umsetzen wollen.

Quoten und Grenzwerte

Die Verordnung gibt zwei Wege vor. Wird der Phosphor direkt aus dem Klärschlamm geholt, müssen mindestens 50 Prozent zurückgewonnen oder der Gehalt im behandelten Schlamm unter 20 Gramm je Kilogramm Trockenmasse gedrückt werden. Geht der Schlamm dagegen in die Verbrennung und wird der Phosphor anschließend aus der Asche geholt, liegt die Quote bei mindestens 80 Prozent. Die höhere Anforderung an die Asche ergibt sich daraus, dass der Phosphor dort stark aufkonzentriert vorliegt.

Wie die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm technisch funktioniert

Phosphor-Rückgewinnung auf der Kläranlage

Die nassen Verfahren werden direkt im Betrieb oft am Faulschlamm oder am Schlammwasser nach der Entwässerung durchgeführt. Dort liegt ein Teil des Phosphors gelöst vor und wird mit Magnesium- oder Calciumverbindungen als Salz ausgefällt. Das bekannteste Produkt ist Struvit, ein Magnesium-Ammonium-Phosphat, das als Granulat anfällt und direkt zu Dünger weiterverarbeitet wird. Der Vorteil: Die Technik steht auf dem eigenen Gelände, und nebenbei sinkt die Gefahr, dass sich Struvit ungewollt in Rohrleitungen und Pumpen ablagert.

Allerdings: Aus dem gelösten Anteil allein kommt man bei vielen Anlagen nicht auf die geforderte Quote.

Verbrennung und Rückgewinnung von Phosphor aus der Asche

Der zweite Weg führt über die Monoverbrennung. Der Klärschlamm wird getrocknet und in einer Anlage verbrannt, die ausschließlich Klärschlamm annimmt. Dadurch bleibt eine Asche übrig, in der der Phosphor konzentriert und nicht mit anderen Abfällen vermischt ist. Aus dieser Asche holen nasschemische oder thermochemische Verfahren den Phosphor heraus und trennen gleichzeitig Schwermetalle ab. Weil solche Anlagen groß und teuer sind, schließen sich Kommunen und Zweckverbände dafür oft zusammen. Die Zwischenlagerung von Asche ist dabei nur eine Übergangslösung, kein Ersatz für die Rückgewinnung.

Was das für Kommunen und Grundstückseigentümer bedeutet

Auswirkungen auf die Abwassergebühr

Die Technik kostet Geld, und die Frage, wer das trägt, war lange offen. Ein vom Umweltbundesamt beauftragtes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten der Phosphorrückgewinnung grundsätzlich über die Abwassergebühren refinanziert werden können, auch ein großer Teil der Aufwendungen, die schon vor 2029 anfallen. Dabei gelten die üblichen gebührenrechtlichen Grundsätze: Die Kosten müssen betriebsnotwendig und verhältnismäßig sein und periodengerecht zugeordnet werden. Erlöse aus dem Verkauf des zurückgewonnenen Phosphors werden gegengerechnet. Größere Sprünge auf der Jahresrechnung einzelner Haushalte erwartet das Gutachten nicht.

Was im Abwasser nichts zu suchen hat

Je sauberer der Zulauf, desto besser das Endprodukt. Feuchttücher, Speisefette, Essensreste und Wattestäbchen gehören deshalb nicht in die Toilette oder in den Ausguss, Farben und Lösemittel ebenso wenig. Fette und Hygieneartikel sorgen außerdem für Ablagerungen in der Grundstücksentwässerung, also in dem Teil des Netzes, für den Eigentümer selbst zuständig sind. Wie der Klärschlamm nach der Reinigungsstufe weiterverarbeitet wird, haben wir im Beitrag zur Klärschlammentsorgung zusammengefasst.

Häufige Fragen zur Phosphorrückgewinnung

Betrifft die Pflicht auch kleine Kläranlagen?

Die Rückgewinnungspflicht hängt am Phosphorgehalt des Schlamms und nicht allein an der Anlagengröße. Für Anlagen bis 50.000 Einwohnerwerte bleibt die bodenbezogene Verwertung als Weg bestehen, solange die stofflichen Vorgaben eingehalten werden. Für Kleinkläranlagen auf Privatgrundstücken regelt die Kommune die Schlammabfuhr, dort ändert sich für Eigentümer nichts an den gewohnten Abfuhrintervallen.

Ist der zurückgewonnene Phosphor als Dünger zugelassen?

Produkte wie Struvit und aufbereitete Aschephosphate werden bereits als Düngemittel verwertet. Die Zulassung richtet sich nach der Düngemittelverordnung, und genau dort sieht der Verband kommunaler Unternehmen Anpassungsbedarf, damit die neuen Recyclingprodukte verlässlich vermarktet werden können.

Ändert sich dadurch etwas an meinem Hausanschluss?

Am Anschluss selbst ändert sich nichts. Relevant bleibt der Zustand der privaten Abwasserleitungen, denn durch undichte Rohre dringt Grundwasser in den Kanal ein und verdünnt das Abwasser, was die Reinigung in der Kläranlage ineffizienter macht. Dichtheit prüfen wir mit einer TV-Kanaluntersuchung und einer Dichtheitsprüfung nach EN 1610.

Kanaltechnik für Privat- und Gewerbekunden in der Region Baden-Baden

Unsere Leistungen rund um das Abwassernetz

Phosphorrecycling ist die Sache der Kläranlagen, der Weg dorthin beginnt aber auf dem Grundstück. CHRIST Kanaltechnik und WC-Service arbeitet seit 1992 in diesem Bereich, zertifiziert mit dem Gütezeichen Kanalbau. Dazu zählen die Rohr- und Kanalreinigung, die TV-Kanaluntersuchung mit Planerstellung, die Dichtheitsprüfung nach EN 1610, Kanalsanierungen und Absaugarbeiten. Wir sind für private Haushalte genauso im Einsatz wie für Hausverwaltungen und gewerbliche Auftraggeber.

So erreichen Sie uns

Sie haben wiederkehrende Verstopfungen, planen eine Sanierung oder brauchen eine Dichtheitsprüfung? Rufen Sie uns unter 07221 82973 an, schreiben Sie an info@christ-wc-service.de oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Wir sind im Umkreis von Sinzheim über Baden-Baden, Rastatt, Bühl und Gaggenau unterwegs und schauen uns Ihre Situation vor Ort an.